How do you like them Apples?

Die Geschichte des Apfels und des Apple Pie

Der Apfel - schon in Genesis, dem ersten Buch der Bibel, kommt der verführerischen Frucht eine bedeutungsvolle Rolle zu, die sich bis heute im westlichen Kulturverständnis eingeprägt hat.

Tatsächlich sollte man den kulturellen Einfluss der Frucht auf unsere heutige Welt nicht unterschätzen. Immerhin haben wir es laut der Überlieferung einem Apfel zu verdanken, dass Sir Isaac Newton die Schwerkraft entdeckte, eine der fundamentalen Grundbausteine der modernen Physik und damit unseres aktuellen Verständnisses des Universums und unseres Platzes darin.

Und kaum einer kann heute das Wort "Apple" hören ohne an technologischen Fortschritt zu denken.

Aber warum ist der Apfel so wichtig und allgegenwertig und wie hat er es geschafft mit dem Apple Pie sogar ein inoffizielles Symbol einer ganzen Nation zu werden? Und war Apple Pie vielleicht gar nicht das erste Soul Food der Amerikaner auf Apfelbasis?

Die Geschichte beginnt wie so oft an den Wurzeln.

 

Comparing Apples and … Roses?

Gerade wo Apple Pie heute so unzertrennbar mit amerikanischer Esskultur verbunden ist und in Amerika heute über 2.500 verschiedene Apfelsorten kultiviert werden, verwundert es vielleicht zu hören, dass es tatsächlich nur 4 Apfelarten gibt, die vor den Zeiten der europäischen Kolonialisierung in Amerika heimisch waren.

Äpfel, Birnen, Kirschen, Erdbeeren, Pflaumen und Pfirsiche sind alle eng miteinander verwandt. Und nicht nur das, alle diese Früchte sind Teil der Familie Rosaceae und damit, wie der Name vermuten lässt, sehr eng verwandt mit Rosen

Wie die Rosen stammen auch Äpfel aus Mittel- und Ostasien, vermutlich in etwa dem Gebiet des heutigen Kasachstans, wo sie bereits gut 10.000 Jahre vor Christus angebaut wurden. Über alte Handelsstraßen kamen sie im Laufe der Jahrtausende immer weiter nach Westen und wurden in Südeuropa von den Griechen und Römern im großen Stil angebaut. Durch die römischen Feldzüge und Eroberungen gelangte der Apfel in seiner heutigen Form schließlich auch nach Mittel- und Nordeuropa.

Die Bedeutung des Apfels schwankte schon damals dramatisch. Die Griechen sahen in ihm ein potentes Aphrodisiakum, während er bei den Kelten ein Symbol für den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt wurde. Im Mittelalter wurde der Apfel in der Bibel als Symbol der Versuchung durch das Böse verewigt, daher auch der wissenschaftlich-lateinische Name "Malus", was wortwörtlich einfach nur "das Böse" bedeutet.

Mit diesem schlechten Ruf ist es auf den ersten Blick schon etwas seltsam, dass im christlich geprägten Mittelalter Könige als ein Zeichen ihrer Herrschaft neben Krone und Zepter oft den sogenannten Reichsapfel trugen - eine goldene Kugel mit einem aufgesetzten Kreuz. Des Rätsels Lösung liegt in der Doppeldeutung des Apfels durch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Der Reichsapfel ist nämlich eigentlich gar kein Apfel. Sein lateinischer Name "Globus cruciger" bedeutet schlicht „kreuztragende Weltkugel“ und ist eine Anlehnung an die, nach damaligem Verständnis, weltumspannende Herrschaft des alten römischen Reiches.

Wie es die vor den Zeiten der Einwanderer in Amerika verbreiteten Äpfel dorthin geschafft haben, ist nicht belegt, aber man vermutet, dass sie potenziell mit den Ahnen der amerikanischen Fauna oder sogar den Vorfahren der Ureinwohner aus Asien über die Landbrücke der Beringstraße in die neue Welt kamen.

Die 4 Apfelsorten die nachweislich schon vor der Ankunft der Europäer in Nordamerika heimisch waren, sind allerdings allesamt Zieräpfel (Crabapples auf Englisch). Diese Apfelsorten sind besonders sauer und eignen sich nur begrenzt als Nahrungsmittel. In einigen südostasiatischen Regionen werden verwandte Arten als Säuerungsmittel und Gewürz genutzt.

Warum die Vorfahren der Ureinwohner die wenig appetitlichen Äpfel mit auf die beschwerliche Reise hätten nehmen sollen oder ob sie auf anderen Wegen nach Nordamerika kamen, ist unbekannt, vor allem, da die Ureinwohner diese Pflanzen niemals kultivierten oder systematisch als Nahrungsquelle nutzten.

Als Nahrungsmittel kam der Apfel tatsächlich erst mit den europäischen Siedlern Anfang des 17. Jahrhunderts in die neue Welt.

Die ersten Siedler sahen sich mit einer großen Aufgabe konfrontiert. Landwirtschaft im großen Stil war zu diesem Zeitpunkt auf dem nördlichen Teil des amerikanischen Kontinents weitgehend unbekannt, mit kaum größeren Bevölkerungsballungsräumen, wie man sie zu jener Zeit in den südamerikanischen Hochkulturen finden konnte.

Zwar gab es heimische Früchte, wie Maulbeeren, Pflaumen, Kirschen, Kaki und eben Zieräpfel, doch waren diese wild und wuchsen vereinzelt und ungeordnet als Teil der lokalen Vegetation und trafen zunächst auch nicht wirklich den Geschmack der Neuankömmlinge. Zum Glück kamen die Siedler gut vorbereitet mit Samen und Setzlingen aus ihrer Heimat und in den frühen Tagen der Kolonialisierung wurde der Gartenbau ein Bestandteil des täglichen Lebens aller Siedler und Obstgärten waren fester Teil jedes Landbesitzes.

Anfangs taten die Siedler sich schwer, was man allerdings nicht ihren Bemühungen anlasten konnte. Das Problem war ganz einfach, dass es keinen Weg gab die Bäume zu bestäuben. Wie bereits erwähnt sind Äpfel und andere Früchte eng verwandt mit Rosen. Das bedeutet unter anderem, dass sie sich nicht selbstbestäuben können und zur Fortpflanzung auf die Hilfe von Vögeln oder Insekten angewiesen sind.

Daher trugen die Bäume selbst nach den üblichen vier bis fünf Jahren Wachstum kaum Früchte. Erst mit der Einfuhr europäischer Honigbienen gut ein Jahrzehnt später konnten die Ernten endlich im großen Stil beginnen.

Besonders fruchttragend (pun intended) waren die Experimente mit Pfirsichen, Aprikosen, Feigen und, wer hätte es gedacht, Äpfeln. Zwar kamen nicht alle Varianten mit den oft harschen Wintern des Landes zurecht, aber einige schlugen sich durch und wurden ein konstanter Bestandteil der ersten großangelegten Agrarkultur in Nordamerika.

Dennoch war es noch ein weiter Weg bis zum Apple Pie. Zwar waren die Rezepte aus der alten Welt lange bekannt und jetzt auch lokale Ressourcen verfügbar, aber die amerikanischen Siedler hatten andere dringende Pläne für ihre hart erwirtschafteten Früchte: Alkohol.

Cider, Perry, Mobby und Brandy - der Großteil der amerikanischen Äpfel, Birnen und Pfirsiche endete in Flaschen, statt auf den Tellern.

Auf den ersten Blick verschwenderisch, so gibt es doch eine einfache Erklärung. Qualitativ hochwertige Früchte brauchen viel Zeit und Aufwand. Früchte aus Setzlingen und Samen wachsen oft unregelmäßig und schwanken stark in Qualität. Aber der typische amerikanische Kolonist mit einem zu bestellenden Land unendlich viel größer als jede in Europa zur Verfügung stehende Pachtfläche, hatte schlichtweg nicht die Zeit für aufwendigere Pflanzverfahren, wie z.B. Propfung bei denen die Bäume salopp gesagt geklont und Variationen und Abänderungen der Früchte weitgehend vermieden werden.

Für die Alkoholfermentierung dagegen genügten auch Früchte von geringerer Qualität und ein guter Cider ließ sich auch aus verformten Äpfeln produzieren.

Besonders Cider, mit seiner relativ wenig aufwendigen Herstellung wurde schnell ein Standbein der amerikanischen Agrarkultur und, so könnte man argumentieren, der Souldrink der frühen Amerikaner. Und das lange bevor der Apple Pie als Soulfood-Kandidat jemals den Kontinent erreichte.

 

The Tale of Johnny Appleseed

Amerika haftet heute das träumerische Image des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten an - ein Land in dem jeder Mensch seinen Weg gehen kann, wenn er nur genug Willen und Einfallsreichtum mitbringt. Heutzutage nennt man sowas Entrepreneurship, mit weltbekannten Gesichtern wie etwa Steve Jobs, der sich vom Tüftler in seiner Garage zu einem Marktführer der Computertechnik mit weltweitem Kultstatus hinaufschrauben konnte - wohlgemerkt unter der Marke "Apple".

Aber man muss nicht auf die digitale Revolution oder das frühe 21. Jahrhundert warten, um Beispiele dieses Geschäftssinns und Erfindergeistes zu finden.

Johnny Appleseed ist eine amerikanische Legende.

Laut dem Volksmund schloss er Bekanntschaft mit einem wilden Wolf, schlief in einem hohlen Baumstamm und trug den Topf, in dem er sein Abendessen zubereitete, tagsüber als Hut. Was zunächst wie ein typisches Volksmärchen klingt, hat allerdings ganz und gar reale Wurzeln:

John Chapman, ein Anhänger des schwedischen Wissenschaftlers, Philosophen und Theologen Emanuel Swedenbog, war eine bekannte Instanz in Ohio, Pennsylvania und Indiana in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Vermutlich waren es seine doch ungewöhnlichen Eigenheiten, wie sein vehementes Zitieren theologischer Texte und sein Fashion Sense, bestehend aus einem Shirt aus Sackleinen und nackten Füßen, denen Johnny seine abenteuerlicheren Qualitäten verdankt.

Nichtsdestotrotz sind auch Chapman's reale Taten kurios. Sein Wirken begann mit dem Anlegen eines ersten Apfelhains in Fort Pitt, Pennsylvania, den er mit Samen bepflanzte, die er aus den örtlichen Ciderfabriken gesammelt hatte. Als die Kolonisten weiter gen Westen vordrangen, soll Chapman seine Sachen gepackt und seinen Hain an eine arme Familie übergeben haben, während er in einem aus zwei Baumstämmen zusammengeschusterten Katamaran den Ohio-River hinabsegelte. Chapman kundschaftete Routen aus, auf denen zukünftige Siedler wahrscheinlich in Richtung Westen ziehen würden und zog dort aus seinen Samen Apfelsetzlinge heran. Als, wie er es erwartet hatte, die Siedler kamen, verkaufte oder schenkte er ihnen die Setzlinge.

Im Laufe seines Schaffens legte Chapman hunderte von Obstgärten an, von denen er viele in die Hände anderer Siedler übergab, wenn er weiterzog und nur sporadisch alle paar Jahre wieder auftauchte – nicht um Pacht einzutreiben, sondern um nach den Gärten zu sehen und, wenn nötig, nachzubessern.

In seinen späten Jahren soll Chapman sogar auf finanzielle Entlohnung für seine Dienste verzichtet haben, stattdessen komplett zufrieden mit einem trockenen Platz zum Schlafen, einem warmen Mahl und vielleicht dem ein oder anderen offenen Ohr für seine Sichten auf religiöse Texte und Doktrinen.

Auch wenn viele der Erzählungen über Johnny Appleseed wohl zumindest Opfer gut gewollter Übertreibung und Ausschmückung sind, ist unbestritten, dass er eine wichtige Rolle in der Verbreitung von Äpfeln über den Kontinent aber auch in der Besiedlung des Landes selbst spielte.

Wie ihre Vorfahren fanden viele der nach Westen ziehenden Siedler Komfort im Geschmack von Alkohol, ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Vorteilen, und Cider war wie erwähnt eine leicht zu produzierende Version, sogar für den damaligen Otto-Normal-Amerikaner in seiner heimischen Küche.

 

Apple Cider

Die Geschichte des Cider geht fast so weit zurück, wie die des Apfels selbst.

Das Getränk aus fermentierten Äpfeln, das wir heute unter diesem Namen kennen, verdanken wir ebenfalls einer frühen europäischen Hochkultur – allerdings nicht den Römern oder Griechen sondern den Kelten.

Schon um das Jahr 3.000 vor Christus stellten die Kelten aus den ansonsten so gut wie ungenießbaren Zieräpfeln einen leicht alkoholischen Drink her. Die Römer, die in ihren Feldzügen bis nach Britannien vorgestoßen waren, übernahmen schnell das Rezept von den dortigen Bewohnern und verfeinerten die Herstellung mit dem Anbau ihrer eigenen Apfelsorten.

Über die römischen Handelswege verbreitete sich der keltische Alkopop-Vorgänger schnell über ganz Europa und den Mittelmeerraum und blieb auch nach dem Fall des römischen Reiches ein weit verbreitetes Getränk in ganz Eurasien.

Aber Cider war nicht nur ein Erfrischungsgetränk wie wir es heute kennen, besonders in seinem britischen Geburtsland. Vom 13. bis hinein ins 19. Jahrhundert waren 4 Pinte (ca. 2,4 Liter) Cider ein fester Bestandteil der Bezahlung der Farmer und Feldarbeiter in England und im 14. Jahrhundert wurden die Kinder vielerorts nicht mit Wasser sondern mit Cider getauft, da das leicht alkoholische Getränk sauberer war, als einfaches Wasser.

Vor allem dieser Grund war es auch, aus dem die frühen Siedler in Amerika ihre Früchte zunächst zur Herstellung alkoholischer Getränke verwendeten. Der Alkoholgehalt war aufgrund der verwendeten Verfahren viel niedriger als heute, reichte aber aus um viele Bakterien abzutöten, und somit war der Konsum dieser leicht alkoholischen Getränke wesentlich sicherer, als das Trinken aus lokalen Wasserquellen.

Der Siegeszug des Cider in Amerika endete erst im frühen 20. Jahrhundert mit der weiteren Verbreitung von Bier durch neue Einwanderungswellen aus Europa.

Wer sich selbst mal als Amerikanischer Pionier versuchen will, für den haben wir leckere Gewürzmischungen für typisch amerikanischen Apple Cider im Angebot. Einfach für einige Minuten in Apfelsaft ziehen lassen und schon ist die köstliche Erfrischung fertig:

 

 

As American as Apple Pie (?)

Eine Prise Zimt und Nelken, knusprig gebackene Kruste und natürlich perfekt gegarte Äpfel - so stellt man sich den perfekten Apfelkuchen vor.

Heute steht er wie kaum ein anderes Gericht für das Soul- und Comfort-Food der Amerikaner schlechthin. Tatsächlich aber ist die amerikanische Geschichte des Apple Pie eine sehr kurze und weniger bedeutsam für die Geschichte des Landes als zum Beispiel der Einfluss von Cider.

Das älteste belegbare Rezept für Apple Pie stammt aus England und geht zurück bis ins Jahr 1381. Der Pie ähnelt in vieler Hinsicht dem typischen Apple Pie von heute mit einer Topkruste und Füllung. Selbst die Zutatenliste liest sich in ihren Ansätzen nicht unvertraut, wenn auch etwas skurril in ihrer Formulierung: "good apples, good spices, figs, raisins and pears" (also gute Äpfel, gute Gewürze, Feigen, Rosinen und Birnen").

Die Zutaten wurden mit Safran eingefärbt, mit einer Topkruste aus Teig gedeckelt und bis zum gewünschten Gar-Grad der Früchte gebacken. Es gibt von diesem Rezept sowohl Varianten mit und ohne zusätzlicher Bodenkruste, die eine spätere Ergänzung zum Rezept gewesen zu sein scheint.

Mit der weiten Verbreitung von Äpfeln auf dem Kontinent, dauerte es allerdings nicht lange, bis sich auch das süße Dessert über Landesgrenzen hinaus verbreitete und einige lokale Variationen hervorbrachte.

Der Dutch Apple Pie, auch bekannt als "Appeltaerten", wird zunächst zubereitet wie sein englischer Cousin. Nach einem ersten Backvorgang wird dann aber die Topkruste entfernt und der Inhalt mit etwas Sahne verquirlt. Der Kuchen geht dann erneut in den Ofen bis die Mischung im Inneren getrocknet ist.

Eine andere Variante ist die französische Apfel Tarte. Hier wird der Bauplan des Englischen Pie auf den Kopf gestellt. Statt einer Topkruste hat die Tarte nur eine Bodenkruste auf der die ansonsten als Füllung dienenden Zutaten aufgeschichtet werden. Durch Karamellisieren wird die Form des Kuchens nach dem Anschneiden erhalten. Eine interessante Ausnahme bilden hier Tartes aus der Normandie, die deutlich mehr dem britischen Beispiel folgen, inklusive der Topkruste.

Auch in Schweden ist Apple Pie ein in allen Altersgruppen beliebtes Dessert. Allerdings handelt es sich bei dieser Variante eher um einen Apple Crumble, gemischt mit Brotkrumen statt traditioneller Pie-Kruste. Die Schweden haben auch eine weitere Variante des Apfelkuchens, den "äppelkaka", ein Spongecake in den Apfelstücke eingemixt sind.

Zu guter Letzt gibt es dann noch die österreichische Variante: Apfelstrudel. Bis auf die Äpfel gibt es hier allerdings kaum noch Ähnlichkeiten zum Englischen Rezept. Eine Seite eines dünnen Blätterteig-Blatts (statt der typisch dicken Pie-Kruste) wird mit Apfelkompott bestrichen und dann wird das Blatt zu einer Rolle aufgerollt. Der Strudel wird, anders als andere Apple Pies, in einer rechteckigen Form gebacken, statt in der traditionell runden Pie-Form. Auch der Anschnitt ist anders. Apple Pie und seine Variationen werden normalerweise in dreieckigen Stücken serviert. Strudel dagegen wird aufgrund seiner rechteckigen Form eher in Scheiben geschnitten und serviert, ähnlich wie Stollen.

Bei allen Varianten gleich sind die traditionellen Topics. Zum Apple Pie, Apfelstrudel, Appeltarte etc. reicht man normalerweise eine Kugel Eis bzw. einen Klecks Sahne oder Vanillepudding.

 

Aber zurück nach Amerika.

Als die Erträge der lokalen amerikanischen Früchte durch die Einfuhr von europäischen Honigbienen endlich zu steigen begannen und sich die Hygienestandards und damit das genutzte Wasser verbesserten, waren die Siedler endlich frei ihre Früchte auch für andere Zwecke als nur Cider zu verwenden.

Und da war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis die ersten heimischen Backöfen vom Geruch frisch gebackener Äpfel gefüllt wurden.

Die erste überlieferte Erwähnung eines amerikanischen Apple Pies stammt aus dem Jahr 1697 und das erste rein amerikanische Kochbuch „American Cookery“ aus dem Jahr 1796 enthält sogar gleich 2 unterschiedliche Rezepte für den, wie es heißt, „typisch amerikanischen“ Kuchen.

Interessanterweise wurde die europäische Herkunft des Gerichts ab diesem Zeitpunkt systematisch ausgeblendet und der Apple Pie zu dem Symbol für amerikanischen Patriotismus erklärt, als das wir ihn auch heute noch kennen. In den 40er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts entstand dann der ikonische Leitspruch „As American as Apple Pie“ als Ausdruck von nationalem Stolz.

Letztendlich ist die rein amerikanische Episode aber eher ein Epilog in der jahrhundertealten Geschichte des Apple Pie und nicht die rein amerikanische Nationalsaga, als die sie viele propagieren.

Wenn Sie wissen wollen, wie Sabine Ryan ihren Apfelkuchen backt, dann finden Sie hier ihr ganz persönliches Rezept:

Und wer es mal selbst ausprobieren möchte, für den haben wir alles, was der angehende Pie-Bäcker braucht:

 

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Mit der großen Ertragssteigerung wurden Äpfel schnell zu einem Konsumgut. Die heimischen Obstgärten verschwanden immer mehr, während sich Amerika immer weiter in eine urbane Gesellschaft verwandelte. Am Ende wurde die Vielzahl an importierten und neu gezüchteten Apfelsorten von 2 Arten weitgehend aus dem Alltag der Amerikaner und dem Massenmarkt auf dem Kontinent verdrängt.

„Red Delicious“ und „Golden Delicious“ aus der Stark Bro’s Nursery in Louisiana sind seit den 1920ern feste Haushaltsnamen. Und natürlich gibt es auch zu diesem Erfolg eine kleine Geschichte zu erzählen.

Die Herkunft der Art „Red Delicious“ ist wenig spektakulär, handelt es sich hier doch nur um eine Züchtung aus den Firmeneigenen Obstgärten, die sich als besonders ertragreich erwies.

Die Geschichte hinter der Sorte „Golden Delicious“ ist da schon etwas reißerischer.

Laut der Firmenlegende, wurde Mitinhaber Paul Stark aufmerksam auf die Früchte des Farmers Anderson Mullins, der 2 Jahre in Folge Kostproben an die Firma geschickt hatte, in Hoffnung auf eine Zusammenarbeit. Beeindruckt von den Früchten, reiste Stark 1.000 Meilen per Zug und dann nochmal weitere 20 Meilen per Pferd bis nach Odessa, West Virginia. Dort angekommen kam er sich vor wie das Opfer eines bösen Streichs. Die Bäume, die er inspizierte, waren nur ein Mix aus wilden Setzlingen und ingezüchteten Mischlingen. Voller Enttäuschung wandte sich Stark zum Gehen, als er innehielt und auf einem kleinen Hügel nahe am Fluss einen einzelnen Baum stehen sah, der wirkte „als sei er direkt aus dem Garten Eden“ dorthin gepflanzt worden und dessen Äste sich unter der schweren Last zahlreicher großer Äpfel bogen.

Stark kaufte den Baum umgehend für das heutige Äquivalent von $ 100.000 und ließ zum Schutz vor lokalen Fruchtdieben den Baum in einem riesigen Metallgerüst, ähnlich einem Vogelkäfig, sichern – das Markenzeichen der Firma für die folgenden Jahre.

Der Erfolg dieser Apfelsorten spiegelt sich im modernen amerikanischen Konsumgeist wieder. Anders als hierzulande, wo die Obstauslagen oft mit Sorten wie Gala, Braeburn, Pink Lady & Co. eine große Auswahl bieten, gilt in vielen amerikanischen Läden nach wie vor die Devise „one red, one yellow, one green“ – oder anders gesagt: „Red Delicious“, „Golden Delicious“ und „Granny Smith“.

On a Sidenote:

Die typisch grüne Apfelsorte „Granny Smith“ ist keine amerikanische Apfelsorte. Gezüchtet wurde sie durch Zufall von Maria Ann Smith, einer gebürtigen Engländerin, die mit ihrem Mann Mitte des neunzehnten Jahrhunderts nach Australien auswanderte. Die Äpfel für ihre Züchtung stammten der Überlieferung nach aus Tasmanien.

Diese begrenze Auswahl heißt aber nicht, dass Äpfel eine untergeordnete Rolle in den Vereinigten Staaten spielen. Die USA sind weltweit auf Platz 2 der Apfelproduzenten, übertroffen nur noch von China, und der Apfel ist die zweitmeistkonsumierte Frucht im Land, direkt nach der Banane. Der Großteil der über 2.000 modernen Apfelsorten in den USA dient allerdings zum Export oder wird in kleinen lokalen Gebieten vertrieben.

 

An Apple a Day keeps the Doctor away

Wer kennt diesen Spruch nicht?

Anders als mit „As American as Apple Pie”, steckt hier allerdings mehr als nur ein Quäntchen Wahrheit hinter der alten Weise. Denn der Apfel hat tatsächlich viele gesundheitsfördernde Eigenschaften, auch wenn diese nicht an die ihm im 19. Jahrhundert zugesagten, fast magischen Qualitäten heranreichen.

Äpfel sind frei von Fett, Natrium und Cholesterin und sind gleichzeitig eine gute Quelle von Ballaststoffen und Vitamin C, einem der wenigen Vitamine, die der menschliche Körper nicht selbst produzieren kann.

Auch eignen sich Äpfel wunderbar als Diätsnack. Nicht nur sind sie wie gesagt fettfrei, sondern die Ballaststoffe und das in den Äpfeln enthaltene Wasser sorgen schnell für ein Völlegefühl, das Heißhunger und ähnlichen Symptomen vorbeugt.

Und im Gegensatz zu anderen Früchten sind Äpfel auch noch praktisch und leicht zu essen - auch unterwegs. Anders als bei Orangen & Co. ist kein lästiges Schälen nötig.

Also statt dem Energy-Riegel oder dem Protein Shake bei der nächsten Diät einfach mal in den sauren Apfel beißen, dann schmeckt das nächste Stück Apple Pie – egal ob britisch, amerikanisch, französisch oder österreichisch – gleich umso besser.

Wer das Aroma von frisch gebackenem Apple Pie, spritzigem Cider & Co. ganz ohne Gewissenbisse genießen will, dem empfehlen wir aber unsere köstlich riechenden Duftkerzen von Country Candle:

 

Und wenn ihr jetzt noch nicht genug vom Apfel bekommen habt, dann seid gespannt auf unseren nächsten Blog in dem wir uns den wohl weltbekanntesten Apfel ganz genau ansehen – den Big Apple.

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